Der Vierseitenhof

                                                                                                                                       

  Der Hof bestand schon 1705 als Gut Nr.27, Besitzer Jobst Dämme (Pietsch). In seiner Form hat er sich bis zu seinem Abriss 1977 annähernd erhalten. Seine Nutzung war in den Jahrzehnten sehr vielseitig, und reicht vom Bauergehöft bis hin zu gewerblichen Nutzung. So wurde in Anfang der zwanziger Jahre des 20ten Jahrhundert Garageneinbauten vorgenommen und diese auch als solche genutzt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden diese Garagen dann für gewerbliche Zwecke genutzt.

Der Vierseitenhof Altstrehlen 1 war bis in den 70 ziger Jahren noch vollkommen intakt. Die zwei Seitengebäude rechts und links des Hoftores waren bewohnt. Das ehemaligen Stallgebäude rechts im Hof wurden durch die Geschäfte "Samen Henne" und der Glaserei Wetzig als gewerbliche Räume genutzt.. Die Scheune, mit ihrer damals noch vorhandenen großen Tenne am Ende des Hofes, nutzte "Altstoff Förster", eine Sekundärannahmestelle.  Allein diese gewerblichen Einrichtungen sorgten für eine tägliche Belebung des Hofes. In dem aus  Holz vorgebauten Anbau vor dem linken Wohngebäude befand sich die Schuhmacherei "Hans Sachs". So wurden durch die Bewirtschaftung der Gebäude diese auch weitestgehend instand gehalten. Doch schon Ende der Siebziger wurden die Gebäude nach und nach leer gewohnt. So war dem Verfall des Hofes freien Lauf gelassen und sein Ende eingeläutet. Ein Brand im Hof tat dann sein übriges. Heute ist von diesem historischen Hof nichts mehr vorhanden. Die Ursache dazu lesen Sie im nachfolgenden Artikel der Sächsischen Zeitung vom 17 Januar 1997. 

Am Vierseitenhof Altstrehlen 1 hat der Abbruch begonnen. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Stadt, Bürgerinitiativen und Investor war man zu dem Kompromiss gekommen, dass lediglich zwei Giebel von der alten Bausubstanz stehen bleiben müssen. Einer davon bereitet den Strehlenern jetzt Sorgen - nach Ansicht von Anwohner Wolfgang Vogel sei er zu wenig gesichert und könne einstürzen. "Der Giebel steht völlig frei", so Vogel. "Zum einen befürchte ich ein Risiko für die Passanten, und zum anderen geht so vielleicht noch der letzte Rest des historischen Vierseitenhofs verloren." Investor Georg Simon hält dagegen, dass die Giebelwand durch Stehensgebliebene Teile der Seitenwände genügend stabilisiert sei: "Wir haben uns an die geltenden DIN-Vorschriften gehalten. Außerdem liegt eine Abbruchgenehmigung des städtischen Bauaufsichtsamtes vor." Am Giebel des Vierseitenhofes erhitzen sich die Gemüter. Anwohner befürchten, dass er zusammen- stürzen könnte. Laut Simon könne es allenfalls durch Schwachstellen innerhalb der alten Bau- substanz zu einem Einsturz kommen - doch das sei höhere Gewalt und von ihm nicht beein- flussbar. "Ich halte es aber für sehr unwahr- scheinlich, weil  der Mörtel in der Geschichte des Hauses mindestens viermal ausgebessert wurde. Sollte dennoch etwas passieren, besteht keine Gefahr für die Vorübergehenden. Die physikalischen  Gesetzmäßigkeiten lassen es gar nicht zu, dass die Wand gerade auf die Straße fällt." Sie würde in sich zusammensinken.

 Die Stadt bestätigt, dass in Altstrehlen alles mit rechten Dingen zugeht. "Das Bauaufsichtsamt hat seine Zustimmung gegeben", sagt Karl Schuricht vom Presseamt. "Im Laufe dieser Woche kontrollieren die Mitarbeiter die Baustelle auch noch einmal. Die zwei Giebel werden in die Neubebauung des Gehöftes einbezogen." Wie es nach dem Abbruch zeitlich weitergeht, scheint allerdings noch nicht ganz sicher zu sein. "Wir sind noch auf der Suche nach Mitinvestoren", so Simon.  "Die bisherigen Interessenten haben sich aufgrund der langen Verhandlungsphase und der ausgelaufenen Sonderabschreibung Ost zurückgezogen.

 Einen genauen Fertigstellungstermin kann ich deshalb nicht nennen." Der Investor rechnet damit, dass die Bauarbeiten im Laufe des kommenden Jahres beendet sein werden. Dann soll  an der Stelle des alten ein neuer Vierseitenhof mit einer Tiefgarage, kleinen Geschäften im Erdgeschoss und Wohnungen in den oberen Etagen stehen. Die Gewerbeflächen seien dem Charakter der Anlage angepasst und nur zwischen 60 und 300 Quadratmeter groß. Erste Kleingewerbetreibende aus der Umgebung hätten bereits angefragt.

Von Birgit Hilbig                                                                                                                                                            Sächsische Zeitung  14. Januar 1997

Bemerkung: Heute ist von diesem Gehöft nichts mehr zusehen und auch nichts mehr zu hören. Die lange Wartezeit hat sich gelohnt, der Zankapfel ist verschwunden und es hat sich mal wieder etwas zwar zum Nachteil aber von selbst geklärt. Ich finde den Ausgang dieser Angelegenheit als sehr bedauerlich.