Das Kurfürstentum Sachsen und die große europäische Politik

- Dresdens Geschichte -

  Geschichtssplitter bearbeitet von  Hans-Jürgen  Haupt 1997 - 2003                                                        

sachsen.jpg (16369 bytes)

altendresden.jpg (55852 bytes) Von den  Anfängen Dresdens bis zum Ende des 15. Jahrhunderts ist uns wenig bekannt. Wohl gab es vor der Stadtgründung im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts schon Siedlungen rechts und links einer Furt am Elbübergang, aber erst 1216 wird Dresden als ,,civitas" erwähnt. Umstritten sind Alter und Bedeutung der ersten linkselbischen Kirche, der Frauenkirche, sowie der sie umgebenden Siedlung. Unweit der Elbe, auf dem hochwasserfreien Taschenberghügel, ist eine ältere Burganlage als Vorgängerin des späteren Residenzschlosses wohl Ende des 12. Jahrhunderts von Markgraf Dietrich errichtet worden, die zugleich den Elbübergang sicherte. Von dem Fachwerkbau erhielt sich als ältestes Denkmal der Stadt lediglich das quadratische Untergeschoss des Hausmannsturmes. An dieser Stelle der Burg auf dem Taschenberghügel führte auch die älteste Brücke über den Fluss; nach einer vermutlich schon seit dem Anfang des 12. Jahrhunderts vorhandenen hölzernen ist für 1287 dresden2.jpg (17612 bytes)eine steinerne Brücke belegt, schon damals berühmt als die einzige dieser Art in Nordeuropa. Neben Burganlage und Brücke war der spätere Altmarkt als Stadtmarkt und älteste Platzanlage von großer Bedeutung für das öffentliche Leben. Von ihm gingen die wichtigsten Gassen aus, die zu den Stadttoren führten. Das erste Rathaus war 1380 an seiner Nordseite errichtet worden. Als der um die Frauenkirche entstandene Dorfplatz - nach der Einbeziehung dieser Siedlung in die Festungswälle - der Neumarkt wurde, erhielt der bisherige Stadtmarkt 1550 den Namen Altmarkt.

Einen gewissen Aufschwung nahm die bis dahin kleine und unbedeutende Stadt, als mit der Landesteilung Sachsens 1485 Dresden zur ständigen Haupt und Residenzstadt der Wettiner wurde. Nach einem Brand von 1491, der fast die gesamte linkselbische Stadt vernichtete, ließ Herzog Georg 1519 die Stadt neu befestigen. Während seiner Regierung entstand ferner ab 1530 der Georgenbau des Schlosses, das erste Gebäude Dresdens im Stil der Renaissance, mit deren Einzug in die Stadt von einer eigenständigen Dresdener Kunst gesprochen werden kann.

Unter Herzog Moritz, der 1547 als Kurfürst die sächsische Kurwürde und für sein Land den Namen Sachsen erwarb, erlangte die Stadt ihre erste große B1ütezeit. Das seit 1548 abermals um die Anlage eines großen Hofes erweiterte Schloss erhielt mit dem neuen Westflügel bis 1600 im wesentlichen seine endgültige Gestalt bis zur Erneuerung Ende des 19. Jahrhunderts. Neben den seit 1546 nach niederländisch-italienischen Vorbildern ausgebauten Festungsanlagen wurde im Zuge dieser ersten größeren Stadterweiterung 1552 die Frauenkirche mit der Anlage des Neumarktes in Dresdens Stadtmauern eingegliedert, ebenso das rechtselbische Alten-Dresden, die heutige Neustadt.

Ein weiterer Ausbau der Stadt erfolgte seit 1553 unter Kurfürst August. Dresden gelangte zu Wohlstand, Kunst und Wissenschaften gewannen unter dem Einfluss der italienischen Renaissance an Bedeutung. 1559 bis 1563 wurde das Zeughaus errichtet, das nach einem zweihundert Jahre später erfolgten Umbau schließlich 1884 bis 1887 zum heutigen Albertinum umgestaltet worden ist. 1588 wurde der ,,Kurfürstliche Reissigenstall" am Jüdenhof als Stallgebäude für Wagen und Pferde, aus dem durch mehrfachen Umbau das spätere Johanneum hervorging, vollendet, ebenso der "Lange Gang" mit dem an seiner Schauseite seit 1872 in Sgraffito und später in Meißner Porzellankacheln ausgeführten "Fürstenzug" Daneben entstanden vorwiegend am Altmarkt vierstöckige bürgerliche Wohnhäuser im Renaissancecharakter, die den Dreißigjährigen Krieg überdauerten und erst um 1680 von der barocken Fassadenarchitektur verdrängt wurden.

Die Einwohnerzahl Dresdens war von 6500 im Jahr 1546 auf 11 500 im Jahre 1588 angewachsen. Von den kriegerischen Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges blieb die Stadt zwar verschont, aber Hungersnot und Epidemien sowie die Verschwendungssucht ihrer Fürsten hemmten die Entwicklung. Nach dem Friedensschluss begannen Erneuerung und Erweiterung der Stadt.

Seit 1676 entstanden die Parkanlage und das Palais im Großen Garten, das durch seine Verbindung des Lusthaus-Typus der Renaissance mit den neuen Formen des französischen Schlossbaues zugleich den Übergang zum Barock markiert.

Die Regierungszeit Friedrich Augusts I. "August der Starke" genannt, brachte den eigentlichen Durchbruch zum Barock. Unter ihm begann die Glanzzeit der Stadt, die ihren Weltruf als Kunststätte begründete. In einer grandiosen Bautätigkeit entstanden repräsentative königliche Bauten, Palais des Adels und die Häuser eines wohlhabenden Bürgertums. Das rechtselbische Alten-Dresden wurde nach modernen städtebaulichen Gesichtspunkten völlig neu geschaffen und 1732 in "Neue Königstadt" oder Neustadt umbenannt, eine Anlage, die durch Regelmäßigkeit und Großzügigkeit beeindruckte. Am Aufgang zur Augustusbrücke begann 1730 der in sächsische Dienste getretene Zacharias Longuelune mit dem Bau des Blockhauses, der späteren Hauptwache der Neustadt. Seit 1707 errichtete Matthaeus Daniel Pöppelmann, der Hauptmeister des Dresdener Hochbarock, den Mitteltrakt des Taschenbergpalais. Zusammen mit dem Bildhauer Balthasar Permoser begann er 1710 in einer Zeit der prunkvollen Hoffeste - mit dem Bau des Zwingers, der zu den Gipfelleistungen der europäischen Architektur gerechnet werden kann. Am Umbau des 1717 durch August den Starken erworbenen Holländischen Palais zum Japanischen, das später auch der Aufbewahrung von Porzellan diente, waren bis 1736 Pöppelmann, Longuelune und deren Schüler Johann Christoph Knöffel beteiligt.

fkhist.jpg (537157 bytes)Aus städtebaulichen Gründen wurde ein Neubau der Frauenkirche in Betracht gezogen. Um 1717/18 ging die Idee eines überkuppelten Zentralbaus auf den König selbst zurück. Sein Interesse an dem Projekt dauerte fort, und 1731, als der Bau schon begonnen hatte, rief er den Ratszimmermeister zu sich, um persönlich Einblick in die Baupläne zu nehmen. In dem Protokoll, das Bähr über den Verlauf der Unterredung anfertigen ließ, schilderte er anschaulich, wie eingehend sich der König mit den Rissen beschäftigte, sogar selbst mit dem Zirkel Abstände ausmaß.

Nur wenige Dresdner wissen genaueres über das kleine osterzgebirgische Grenzdörfchen Fürstenwalde, aus dem der junge George Bähr nach Dresden kam, um dort Ratszimmermeister und schließlich ein großer Baumeister ganz aus seinem eigenen Genie heraus zu werden. Das Handwerk eines Zimmermanns hatte der junge Bähr im nahen Lauenstein erlernt und schon kleinere Kirchen zu Loschwitz, Schmiedeberg und Hohnstein sowie etliche Wohnhäuser Dresdens erbaut, ehe er kurz vor seiner Anstellung beim Dresdner Stadtrate den Meisterbrief erwerben konnte. Denn er war niemals in Rom oder anderswo gewesen, wo er die Vorbilder hätte besichtigen können, die er dann doch überwunden, zumindest aber erreicht hat. Seit 1730 führte als erster seines Faches den Titel Architekt.

Erst nach harten Auseinandersetzungen mit dem königlichen Oberlandbauamt, vertreten vor allem durch Knöffel, und Änderung der Planung wurde am 26. August 1726 der Grundstein gelegt, der evangelische Oberkonsistorialpräsident v. Leipziger vollzog den feierlichen Akt - wie es hieß - "in Allerhöchstem Auftrag".

Seit 1726 baute der Ratszimmermeister George Bähr die protestantische Frauenkirche, die mit ihrer hoch aufragenden steinernen Kuppel bald zum Wahrzeichen Dresdens wurde. Nicht unberechtigte Zweifel an der Festigkeit der Pfeiler für die steinerne Kuppel führten zu erregten Auseinandersetzungen, über denen Bähr am 16. März 1738 starb. Als Bähr 1738 stirbt, ist die Frauenkirche noch nicht fertig gestellt. Er wird in einer Gruft der Frauenkirche beigesetzt. Dass er durch einen Sturz vom Gerüst seines Kirchenbaus ums Leben kam, ist nur eine Legende. Sein Neffe und Schüler Johann Georg Schmid und Johann Gottfried Fehre vollendeten 1740-43 die Laterne, die, entgegen dem Bährschen Plane, nunmehr eine hölzerne Haube abschloss.

Ende 1732 stand der Bau bis zur Kuppel vollendet. 1734 konnte die Weihe des großen Zentralraumes mit der Vereinigung von Altar, Kanzel und Orgel unter Verzicht auf einen besonderen Altarraum, entsprechend den kultischen und liturgischen Bedürfnissen des rationalistisch werdenden Protestantismus, vorgenommen werden. Zwischen acht Pfeilern waren ursprünglich fünf später vier hölzerne Logenringe eingespannt, zum Teil in Herrschaftslogen aufgeteilt, Meisterwerken der Zimmermannskunst.

Schiff und Emporen konnten etwa 3500 Besucher fassen. Das Gotteshaus, auf quadratischem Grundriss 95m Höhe erreichend, bestimmte durch die monumentale Kuppel mit ihrer großen Laterne (Architekt Johann Georg Schmid) das Stadtbild wesentlich mit und kennzeichnete gleichzeitig den Höhepunkt des protestantischen Kirchenbaus in Sachsen. Mit der geschlossenen Form hatte Bähr ein imposantes, den Anforderungen der protestantischen Liturgie entsprechendes Werk entstehen lassen, ein Werk des deutschen Barocks. Die Orgel war ein Meisterwerk des bedeutenden sächsischen Orgelbauers Gottfried Silbermann, der in Sachsen insgesamt 48 Orgeln baute, seine letzte in der Kathedrale.

Von den wenigstens sieben Besuchen Johann Sebastian Bachs in Dresden ab 1717 galten die letzten der Frauenkirche. Nachdem er 1725 und 1731 in der Sophienkirche gespielt hatte, gab er am 1. Dezember 1736, im Mai 1738 und im November 1741 Konzerte auf der Silbermannorgel der Frauenkirche. Als krasse Fehleinschätzung erwiesen sich die geplanten Baukosten von 120.000 Talern: Es wurden schließlich 288.000 Taler! Kein Wunder, dass während der Bauzeit immer wieder das Geld knapp wurde und die Arbeit stockte. Dies vor allem auch deshalb, weil die Arbeiter, denen ihr knapper Lohn von vier Groschen täglich nicht gezahlt werden konnte, nicht immer mit der größten Begeisterung bei der Sache waren. Natürlich arbeiteten sie lieber an den in der Nachbarschaft entstehenden Häusern reicher Bürger.

Sicherlich wäre die finanzielle Situation noch wesentlich prekärer gewesen, hätte nicht der König mit Sandstein zu Hofpreisen, Bauleuten verschiedener Gewerke und anderen Dingen geholfen. Irgendwie sind die Mittel letztendlich doch zusammengekommen, auch durch zahlreiche Spenden, verschiedenen Steuern und Fonds.

Im bürgerlichen Wohnhausbau erhielt sich der damals entwickelte einheitliche Barockcharakter der Fassaden bis zur Zerstörung 1945 vor allem um den Altmarkt, den Neumarkt und den Neustädtischen Markt. Für den Schlosskomplex entwarf Pöppelmann nach einem verheerenden Brand von 1701 großartige Neubauprojekte, deren Ausführung aber unterblieb; nach einer notdürftigen Wiederherstellung des Äußeren wurde lediglich das Innere prächtig ausgestattet. Einen großen Aufschwung erlebten die Museen und Sammlungen, die fast alle auf die 1560 von Kurfürst August angelegte "Kunstkammer" zurückgehen. Schlösser und ihre Anlagen in der Umgebung der Residenz wurden ausgebaut, so der Große Garten, das Jagdschloss Moritzburg und die Schloss- und Parkanlagen in Pillnitz oberhalb Dresdens an der Elbe. 1720 begann Pöppelmann mit den Bauarbeiten zum Wasser- und zum Bergpalais in Pillnitz, dessen Anlagen im 19. Jahrhundert in einheitlichem Stil vollendet wurden. Das nördlich der Stadt in Wald- und seenreicher Gegend gelegene Jagdschloss Moritzburg ließ August der Starke 1723 bis 1736 umbauen.

Auch sein Nachfolger setzte diese Bautätigkeit fort bis zum Beginn des Siebenjährigen Krieges, in dessen Verlauf vor allem die östlichen Teile der Stadt zerstört wurden. Seit 1739 errichtete Gaetano Chiaveri die Katholische Hofkirche, an deren Ausführung bis 1752 auch Knöffel beteiligt war, der wesentlich das Baugeschehen mit dem für ihn typischen sächsischen Rokoko prägte. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden ferner das Brühlsche Palais, die Brühlsche Terrasse, das Palais Cosel und das Alte Rathaus.

Nach den Zerstörungen und der allgemeinen Verarmung im Siebenjährigen Krieg erfolgte der Wiederaufbau der Häuser zunächst in einfachen, klassizistischen Formen unter Verzicht auf jeden kostbaren Schmuck, und nur wenige repräsentative Bauten entstanden nach 1764, so das Landhaus von Friedrich August Krubsacius von 1770 bis 1776. 1792 wurde der vierte Bau der Kreuzkirche geweiht, nachdem der ältere bei der Beschießung der Stadt zerstört worden war.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Stadt mit der Niederlegung der Festungsmauern eine neue Entwicklung und wurde wieder zum Zentrum geistigen und künstlerischen Lebens. Unter dem Einfluss der französischen Revolutionsarchitektur entwickelte zunächst Gottlob Friedrich Thormeyer einen für Dresden charakteristischen Klassizismus, beginnend mit den beiden Torhäusern im Großen Garten und der Treppe zur Brühlschen Terrasse, die damit der Allgemeinheit zugänglich wurde. Ihm oblagen auch die P1äne für die neu zu bauenden Wohnviertel der Neustadt mit ihren Häusern in einfachen, kubischen Formen. Ebenfalls in diese Zeit fällt die Errichtung der Altstädter Wache nach Entwürfen Schinkels. Eine weitere schöpferische Phase der Baukunst begann 1834 mit der Berufung Gottfried Sempers. Ihm verdankt Dresden die großzügige Anlage des Theaterplatzes mit dem 1838 begonnenen Opernhaus, das 1869 abbrannte; der nach den Plänen Sempers seit 1871 geschaffene Neubau wurde von dessen Sohn ausgeführt. Die südwestliche Begrenzung des Platzes bildet die als Abschluss des Zwingerhofes 1847 bis 1854 von Semper erbaute Gemäldegalerie.

Der von dem Architekten entwickelte Typus der Renaissance-Villa bestimmte ebenso das Bild der aufblühenden Vorstädte wie die in den Formen der italienischen Neorenaissance gestalteten Fassaden zahlreicher geschlossener Häuserfronten. Neben der Erschließung dieser neuen Vorstädte vergrößerte sich die Stadt durch Eingemeindung umliegender Dörfer und deren Ausbau zu größeren Wohnzentren, wobei wie in Löbtau jenseits der Weißeritz die Einzelbauweise dominierte. Bereits 1852 hatte Dresden die Bevölkerungszahl von 100 000 erreicht und sich damit zur Großstadt entwickelt. Altstadt.jpg (67269 bytes)Nach dem ersten Weltkrieg wirkten mit Hans Poelzig und Heinrich Tessenow wiederum bedeutende Architekten in Dresden, doch gelangten nur verhältnismäßig wenige Einzelbauten zur Ausführung. 1928 bis 1930 wurde das Deutsche Hygiene-Museum von Wilhelm Kreis erbaut, und auch die neueren Ausstellungsgebäude am Stübelplatz mit dem originellen Kugelhaus entstanden in jenen Jahren. Den Charakter als Barockstadt hatte sich Altdresden bis zum zweiten Weltkrieg bewahrt, bis zum 13./14. Februar 1945, als angloamerikanische Spreng- und Phosphorbomben den historischen Stadtkern mit all seinen wertvollen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts sowie andere Teile der Stadt sinnlos vernichteten und etwa 400 000 Menschen im Flammenmeer einen qualvollen Tod fanden.   Als Erich Kästner 1945 zum ersten Mal wieder seine Vaterstadt betrat, bot sich ihm ein erschütterndes Bild: "In dieser Steinwüste hat kein Mensch etwas zu suchen... Fünfzehn Quadratkilometer sind abgemäht und fortgeweht... Es sind Hügel und Täler aus Schutt und Steinen. Eine verstaubte Ziegellandschaft. Gleich vereinzelten, in der Steppe verstreuten Bäumen stechen hier und dort bizarre Hausecken und dünne Kamine in die Luft."

frauenkirche65.jpg (240878 bytes)"... die Frauenkirche - jetzt stehst du davor und es sind nur noch zwei ragende Klippen, hier eine und drüben die andere. Und der Schuttberg dazwischen ist zehn Meter hoch: das ist alles. Ein ganzes Fassadenteil samt dem prachtvoll geschwungenen Giebelstück ist im Sturze erhalten geblieben, Stein bei Stein, aber weiß Gott wie es kam: es liegt nun verkehrt, köpflings auf der schrägen Schutthalde, die Spitze nach unten vor deinen Füßen, wie im Sturz der Verdammten. Du Schaust hinauf und die Tränen kommen dir nicht. Wenn du nach Dresden gehst, weinst du nicht und das Herz blutet dir nicht, denn es wird dir zu Stein in der Brust." Erhart Kästner (Schriftsteller und Bibliothekar, 1936-38 Sekretär Gerhart Hauptmanns)
45 Jahre war auf einer kleinen Tafel, angebracht vom DDR- Regime vor dem Trümmerberg der Frauenkirche zu lesen. "Die Frauenkirche in Dresden im Februar 1945 zerstört durch angloamerikanische Dresden Bomber, erbaut von George Bähr 1726 - 1743. Ihre Ruine erinnert an Zehntausende Tote und ermahnt die Lebenden zum Kampf gegen imperialistische Barbarei für Frieden und Glück der Menschheit."
Wohl niemand hätte geglaubt, dass der 1953 begonnene planmäßige Neuaufbau wieder eine Stadt schaffen können, die Altes und Neues harmonisch verbindet. Zwar waren viele Zeugen der Vergangenheit durch die Kriegseinwirkungen und den Anfang der fünfziger Jahre sinnloser Abrisse und Flächenberäumungen unter der Parole "Wir bauen eine sozialistische Großstadt" unwiederbringlich verloren.
Die Dresdner Sophienkirche auch Evangelische Hofkirche genannt. Erbaut 1351-57 als Klosterkirche der Grauen Brüder. 1599 von der Kurfürstin Sophia (ihr Grab befindet sich in der Kirche) zum Hofgottesdienst bestimmt. 1864-68 umgebaut im gotischen Stiel nach Plan von Prof. Arnolds mit je zwei 66m hohe Türme.
So fielen diesem sinnlosen Wahn unter der Führung Walter Ulbricht und dem damaligen Oberbürgermeister Weidauer die Sophienkirche, die Schlossgasse mit ihren historischen Häusern sowie das Hotel "Exelsior" auf der Prager Straße und viele anderen noch erhaltungswerten Gebäuden zum Opfer. Doch teilweise schwer beschädigte andere Gebäude wurden aufgebaut, so Katholische Hofkirche und Johanneum, Albertinum, Landhaus, Gewandhaus, Kreuzkirche und Neues Rathaus sowie die genau vierzig Jahre nach ihrer Zerstörung am 13. Februar 1985 festlich eingeweihte Semper-Oper; folgen wird der bisher nur in Teilen wiederhergestellte gesamte Komplex des Schlosses. Da sind die neuen Straßenzüge vom Hauptbahnhof bis zum Altmarkt, da sind die Kunstsammlungen, der in seiner alten Schönheit ebenfalls wiedererstandene Zwinger sowie die Brühlsche Terrasse, und jenseits der Elbe, auf der Neustädter Seite, wurde mit der Fertigstellung des Blockhauses und der Rekonstruktion historischer Bürgerhäuser, mit modernen Wohnbauten und einer Ladenstraße ein neues innerstädtisches Wohngebiet geschaffen. Und da sind wieder die Ausflugsziele Moritzburg und Pillnitz. All das trug dazu bei, dass Dresden seine alte Anziehungskraft zurück gewann und zu neuer Schönheit gelangte. Doch die Zeit der Wundenheilung der Stadt begann nach 1989 mit dem Zusammenbruch der DDR. Plötzlich gingen die Träume vieler Dresdner Stück für Stück in Erfüllung. Das erste was im altem Glanz erstrahlte und das nur nach zweijähriger Bauzeit war das Taschenberg Palais. Die Enttrümmerung der Frauenkirche wurde begonnen. Durch eine groß angelegte Spendenaktion ging es zügig an den Wiederaufbau, denn bis zur 800-Jahrfeier Dresdens im Jahre 2006 soll etwas erneut vollendet werden was das Bild dieser Stadt für seine Bewohner und Besucher über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg maßgeblich geprägt hat und das wiedererstanden Wahrzeichen Dresden's sein wird.

Quelle: Dorette Eckardt ISDN 3-36Z-00091-6
Auflage. Verlagsrechte bei Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, DDR - Berlin 1982. Lizenz-Nr. 414.235/120/89. LSV-Nr. 8290.
Printed in the German Democratic Republic. Gesamtherstellung: Grafischer Großbetrieb Völkerfreundschaft, Dresden
6253804 00650

Dieser Beitrag wird noch um wesentliche Teile erweitert. Für jeden Hinweis bin ich dankbar.

Hans-Jürgen Haupt

           Home ] Bombenterror ] Altstrehlen ] Originale ] Dresdner Frauenkirche ] Dampfer ] Flut ] Albert Carola ] Großer Garten ] [ Geschichte ] Vorwort ] Stadtansichten ] Impressum ] Dresdens Kirchen ] Die Dresdner Semperoper ] Altes Zentrum ] Die Richtermühle ] Einmalige Bauten ] Stadt-Anzeiger ] Stadtzentrum ] Dokumente ] Der Dresdner Zwinger ] Weihnachten ]