Die große Bühne der Stadt Dresden

- Die Semperoper Dresdner -

Geschichtssplitter bearbeitet von :  Hans-Jürgen Haupt 2001 -2003                                                                                                                        

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Das königliche Hoftheater

Um 1755 wurde das erste Opernhaus Dresdens in der Nähe des Schlosses eröffnet. 1667 folgte ein zweites größeres Opernhaus in der Nähe des Zwingers. 1719 wurde der Impresario Pietrom Moretti beauftragt ein neues Opernhaus zu bauen, welches seinen Standort dort haben soll wo jetzt die Semperoper Dresden steht. Es war ein kleineres Theater in Holzfachwerkbauweise, welches 1780 zum Hoftheater ernannt wurde. Jedoch wurde es das kleine Hoftheater genannt, da das noch bestehende Theater am Zwinger von seiner Größe gewaltiger war. Dies nannte man das Große Opernhaus. 1817 wurde  dieser Oper mit dem Freischütz von Carl Maria von Werber das Opernhaus feierlich eröffnet und seine Funktion übergeben. Die wachsende Operntradition in Dresden verlangte bald ein noch komfortableres und größeres Opernhaus. Somit wurde 1838 dem Architekten Gottfried Semper der Auftrag übergeben ein repräsentatives Opernhaus zu bauen. Er nimmt den von Pöppelmann erdachten Forumplan zu seiner Grundlage um eine gut durchdachte städtebauliche Lösung zu erstellen. Am 13. April 1841 nach nur dreijähriger Bauzeit wurde das neue Königliche Hoftheater mit Webers "Jubel Ouvertüre" und Goethes Schauspiel "Torquato Tasso" eingeweiht.1869 brannte dieser Prachtbau auf Grund einer Unvorsichtigkeit bei Reparaturarbeiten völlig nieder. Nach dieser Katastrophe wurde dann der Spielbetrieb in der so genannten "Bretterbude" wie das Interimstheater von den Dresdnern genannt wurde über einige Jahre fortgesetzt. Zur gleichen Zeit arbeitet Gottfried Semper im hohen Alter von fast siebzig Jahren an neuen Bauplänen für das zweite Königliche Hoftheater der heutigen Semperoper Dresden. Semper war jedoch auf Grund seiner politischen Einstellung als Demokrat am königlichen Hof in Ungnade gefallen und lebte zur Zeit in Wien. Er sollte mit der neuen Aufgabe nicht betraut werden, jedoch auf das Drängen der Dresdner Bevölkerung wurden seine Pläne mit herangezogen und auf seinem Wunsch sein Sohn Manfred Semper als leitender Architekt mit diesem Auftrag vor Ort betraut. Die feierliche Eröffnung der zweiten Königlichen Oper erfolgte am 2.Februar 1878 wiederum mit Webers "Jubel Ouvertüre und dem Schauspiel " Iphigenie auf  Tauris"  von Goethe. Die prachtvolle Ausstattung des Hauses im italienischen Hochrenaissance Stil war der Höhepunkt europäischer Architektur des 19 Jahrhunderts. Die vom Vorgängerbau erhaltenen Sandstein Plastiken erhielten ihren neuen Platz links und rechts vor dem Hoftheater. Fortan gaben sich die Künstler wie Guiseppe Verdi, Richard Strauss Richard Wagner um nur einige zu nennen, die Klinke in die Hand. 1912 wurden durch Umbauten und Übermalungen im Jugendstiel der Gesamteindruck der so hervorragenden Innenausstattung vollkommen verdrängt. Nur noch die Bauhülle kündete nach wie vor von diesem hervorragenden Bau.

Die Semperoper Dresden ( Das zweite Königliche Hoftheater)

Die Semperoper Dresden am  Theaterplatz,  ist ein durch Schönheit sowie   Zweckmäßigkeit sich auszeichnender Bau von 84 m Breite und 77 m Länge, nach dem Brande des alten herrlichen Semperschen Theaterbaues (1869), 1871-78 nach Gottfried Sempers (geb.1803 in Hamburg, gest.1870 in Rom) Entwurf unter Leitung seines Sohnes Manfred Semper ausgeführt. Den Haupteingang bezeichnet die so genannte Exedra, ein turmartiger Vorbau, im Obergeschoss mit einer Kolossalnische nebst Balkon. In der Halbkuppel der Nische Malerei von Paul Kiesling. Auf beiden Seiten des Haupteinganges Standbilder Goethes und Schillers, von Rietschel; auf den an der Nische frei stehenden Säulen die vier Musen Thalia, Melpomene, Polyhymnia und Terpsichore. Die Exedra gekrönt durch eine Kolossalgruppe in Bronze; Dionysos und Ariadne auf einem von Panthern gezogenen Wagen, von Schilling. - Rechts und links der Exedra die beiden übereinander liegenden Foyers (Bogenarchitektur); hier Sophokles und Euripides, Shakespeare und Molière, von Hähnel. - Die  Balustraden des oberen Stockwerks der beiden Treppenhäuser tragen Statuen, in denen die  Grundstoffe der dramatischen Dichtung in typisch gewordenen Gestalten dargestellt sind: Zeus - Prometheus, Kreon - Antigone, Iason - Medea, Satyr - Bacchantin; - und Macbeth - Hexe, Faust - Mephisto, Don Juan -  Steinerner Gast, Oberon - Titania.

semper11.bmp (1327158 bytes)Das Deckengemälde des oberen Foyers: Leben des Dionysos von Große; - die Deckengemälde der beiden Vestibüle von Hofmann und Gonne. - Der Zuschauerraum fasst an 2000 Personen. - Die Logenbrüstungen des ersten Ranges schmücken zwölf von C. Schlüter modellierte Künstlerbildnisse in Medaillonform. - Der Plafond des Zusehauerraums wurde durch James Marshall nach einem Entwurf Gottfried Sempers geschmückt: in vier großen ovalen Feldern auf Goldgrund die Musen Griechenlands,  Englands, Deutschlands und Frankreichs. An diesen reihen sich vier Medaillons mit doppel Bildnissen Schiller - Goethe, Molière - Goldoni, Shakespeare - Calderon, Sophokles - Euripides; ferner kleiner Felder mit Kindergruppen: der Tanz, die Musik, die   Dekorationsmalerei und die Mimik. Der Fries über dem Proszenium ebenfalls von Marshall, die dramatischen Lieblingsgestalten des Publikums: in der Mitte die thronende poetische Gerechtigkeit, zu ihren Füßen Furie und Komos; von der rechten Seite nahen, von Melpomene geführt, die Helden und Heroinen des Dramas, auf der linken Seite, durch Euterpe geleitet, die der Oper.

Die Bühnenbreite beträgt 13 m. Die Seitenwände des Proszeniums haben doppelte Säulenstellungen übereinander, dazwischen oben Nischen mit den von H.Hultzsch und Chr. Behrens modellierten Gruppen Eros and Psyche, Nomesis und Tyche. Die Medaillons zwischen den Nischen sind von R. Diez; die Karyatiden von Rentzsch; der Hauptvorhang von Ferdinand Keller aus Karlsruhe. Der 1910 begonnene, auf mehrere Jahren verteilte Umbau des Opernhauses hat   sich nur auf Teile des Inneren zur Erzielung größerer Betriebssicherheit erstreckt.

- so eine Beschreibung aus Meyers Reisebücher 1911

Die zweite Geburt

semper9.bmp (1327158 bytes)semper1.jpg (83879 bytes)Der  Bombenangriff an 13.Februar hat auch die Semperoper Dresden in kürzester Zeit in eine totale Ruine verwandelt. Nur einzelne Teile ließen noch die herrliche Pracht des einst so berühmten Operhauses erkennen. Ich selbst hatte gemeinsam mit meinem Vater die Gelegenheit den zerstörten Innenraum dieses Hauses zu sehen. Ich kann mich nur schwach erinnern aber mehr als kahle graue Wände mit  Spuren des unheimlichen Feuersturmes mehr war nicht zu sehen. Das Dach fehlte vollends und so konnte noch einige Zeit das Wetter ungehindert in densemper8.bmp (1327158 bytes) Innenraum eindringen und weiter vernichten was noch zu vernichten war. Am 24.07.1977 wurde nach umfangreichen Sicherungsmaßnahmen die "zweite Geburt" der Semperoper mit der Grundsteinlegung vollzogen. Die Dresdener Bevölkerung hat an ein solchessemper51.bmp (1327158 bytes) Vorhaben während der Zeit des sozialistischen Regimes nicht mehr daran geglaubt, da sie schon einmal erleben musste, dass das Ergebnis einer umfangreichen Spenden- aktion für die Semperoper Dresden für Repräsentations- bauten in Berlin verwendet wurde. So wurde die Dresdner Bevölkerung schon einmal betrogen und der Glaube daran, die Semperoper Dresden im alten Glanz erstrahlen zu lassen, war für immer genommen. Die Freude war umso größer als die Sächsische Zeitung mit folgenden Artikel erschien. Die Grundsteinlegung zum Wiederaufbau der Semperoper Dresden ist vollzogen.

Dieser Bühnenvorhang konnte auf Grund eines noch vorhanden Entwurfs von Ferdinand Keller aus Karlsruhe, welcher in der Gemälde Galerie Dresden aufbewahrt wird, im Palais im Großen Garten nachgewebt werden. Dabei hat es auf Grund der vorhandenen Bausubstanz der restaurierten Semperoper Dresden geringfügige Veränderungen gegebenSemperuhr.jpg (21260 bytes).

Die digitale Anzeige der Uhrzeit war für die damalige Zeit eine Sensationelle Darstellung und hat so manchen interessierten ins grübeln versetzt. Diese Art der  Anzeige bis zum damaligen Zeitpunkt in der Öffentlichkeit nicht üblich gewesen. Die optische Darstellung der digitalen Uhr ist ein rechtes Meisterwerk

       

Literaturhinweis: Das Alte Dresden 1934; Dresden Das Buch der Stadt 1924; Semperoper Dresden; Meyers Reisebücher 1911

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