Meine Kindheit und Jugendzeit

- Dresden Strehlen -

Geschichtssplitter bearbeitet von :  Hans-Jürgen Haupt                                                                                                                                          

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Wie schon im Vorwort erwähnt, bin ich in Dresden-Strehlen, Wienerstr.86 geboren. Noch während meiner Kleinkinderzeit zogen wir innerhalb Strehlen auf die Gustav-Adolf-Str 13. Dort wohnte ich bis zu meinem 22. Lebensjahr. 

Dresden-Strehlen gehört heute zum Stadtbezirk von Dresden-Süd. Leider ist von Strehlen urkundlich nicht viel vorhanden, da Strehlen vorgeschichtlich ein Kirchdorf war und ab ca.1310 mit dem Klostergut Leubnitz vereint und durch dieses verwaltet wurde. Aus diesem Grunde fehlen in Strehlen die, wie bei anderen Orten vorhandenen Aufzeichnungen wie Kirchenbücher und Geburts- und Sterberegister. Urkundlich wurde Strehlen erstmals 1288 unter dem Namen Strowelin erwähnt. Dabei muss gesagt werden, dass Strehlen in der Zeit 1288 bis 1600 mehrere male seinen Namen gewechselt hat, bevor es dann bei Strehlen blieb.

Von Strehlen aus bestand schon vor dem 17. Jahrhundert ein mit Schwarzpappeln bepflanzter Weg, der so genannt Poetenweg, welcher entlang an der Kaitzbach am Forsthaus des Rothhäuser Reviers vorbei über die Bürgerwiese nach Dresden führte. Die Kaitzbach floss zur damaligen Zeit noch direkt in die Stadt Dresden  und über dem Altmarkt. Das Forsthaus erhielt später noch die Ausschanksrechte und wurde somit zum Gasthaus. Die Gaststätte Rothes Haus war noch bis 1860 ein viel besuchtes Ausflugsziel. An dieser Stelle wurde dann später die königliche Villa von Strehlen mit ihrem Park und einer schönen Teichanlage angelegt. Die Teichanlage versumpfte wegen Wassermangel des Heiligen Born und wurde daraufhin zu geschüttet. Der Dorfkern von Strehlen erstreckte sich entlang dem Bett der Kaitzbach, welches noch zu heutiger Zeit sehr gut zu erkennen ist. Diese Anordnung einer solchen Siedlung wird als Platzdorf bezeichnet. Die Kaitzbach versorgte das gesamte Dorf Strehlen mit ausreichend Wasser, und um 1547 wurde sogar eine Wassermühle mit seinem Nass angetrieben.  Durch das Menge der Abgaben des Dorfes Strehlen am königlichen Hofes ist zu ersehen , dass Strehlen schon zur damaligen Zeit größer gewesen sein muss als anderen umliegenden Dörfer. Dies hatte Strehlen seiner ausgezeichneten Lage und Nähe zu Dresden  zu verdanken. An der Endung "en" von Strehlen erkennt man, dass der Ursprung Strehlens im Slawischen liegt. Noch heute sind mitten in Altstrehlen die malerischen Wiesen an der Kaitzbach und deren alten Brücken zu sehen.

Nach der großen Wasserkatastrophe 1876, wo die Kaitzbach das Dorf Strehlen sowie erhebliche Teile des Großen Gartens, der Bürgerwiese sowie Teile der Stadt in einen unangenehm riechenden See verwandelte, wurden mit der Gemeinde Strehlen nach vorher mehrmaligen ab 1888 gescheiterten Versuchen die Verhandlungen  aufgenommen und im Jahre 1892 mit 3577 ha in die Stadt Dresden eingemeindet. Schon vor diesem Akt wurde Strehlen am Abwasser-, Wasser- und Gasnetz der Stadt Dresen angeschlossen. Ebenfalls gab es bereits eine befestigte Strasse die damalige Residenzstrasse, heute August- Bebel-Str.  Gleichzeitig wurde das Interesse wohlhabender Bürger geweckt, westlich des damalige Dorfkerns in der Nähe der Strehlener Königlichen Villa ein Viertel prächtiger Häuser entstehen zu lassen. Die in Strehlen befindliche Villa der königlichen Familie, mit den umfangreichen Gartenanlage sowie mit einem privaten Haltepunkt, war der Lieblingsaufenthalt der Prinzessin Carola und des  Königs Albert. In Strehlen haben sich schon in geraumer Vorzeit die Rosenzüchter, welche die Rosen für die Bepflanzung der königlichen Gärten, der Wettiner Häuser und den Schoßbauten und später auch der Stadt angesiedelt. Ihre Rosenzüchtungen waren auf Grund ihrer Bewurzelung, ihrer Stämme und sorgfältigen Kronenbildung überall bevorzugt. Am 10.Mai 1883 wurde eine Pferdebahn mit die Strecke Dresden Neumarkt - Strehlen über Zoo, zum Wasa-Platz mit Einmündigung Kreischaer Strasse eingerichtet. Mit Elektrifizierung der Bahn wurde die Strecke bis Hugo-Bürgner-Platz verlängert. Später fuhr dann die Straßenbahn über die Dohnaer Strasse, Dorotheenstrasse nach Reick

In unmittelbarer Nähe befindet sich der Große Garten, welcher ebenfalls zu dem Strehlener Landbesitz zählte, mit all seinen Sehenswürdigkeiten. Südlich des Großen Gartens erblickt man jenseits der  Eisenbahnlinie auf einer Anhöhe die Strehlener Christuskirche mit den zwei weit hin sichtbaren  Türmen,  von 1902 - 1905 von den Dresdner Architekten Schilling u. Gräbner, im Jugendstil erbaut  Das Wappen der Gemeinde Strehlen befindet sich am rechten Turm der Strehlener Christuskirche. Da Strehlen schon in früher Vorzeit eine eigenständige Gemeinde war, zwar in einem Gemeindeverband verankert, besaß Strehlen schon damals ein eigenes Gemeindewappen (links). Zu damaligen Zeit gehörte des Vorwerks von Strehlen in die Gemeinde der Frauenkirche und später der Kreuzkirche und erst mit Bau der Christuskirche erhielt die Gemeinde Strehlen ihre Selbständigkeit. Die Strehlener Christuskirche ist mit einer  Jehmlich-Orgel ausgestattet. Sie wurde 1905 mit 63 Registern auf 3 Manualen und Pedal gebaut. 1945 wurde die Orgel durch eine Luftmine stark beschädigt. 1951 wurde die Orgel von der Firma Jehmlich wieder teilweise bzw. notdürftig repariert. Durch Johannes Schubert erfolgte von 1984 bis 1988 eine Generalreparatur und Vergrößerung, so dass die Orgel eine neue Klanggestalt erhielt. Jetzt hat die Orgel 4316 Pfeifen in 62 Registern und besitzt ein imposantes Schwellwerk. Sie zählt zu den großen Orgeln in Sachsen. Das Innere der Strehlener Kirche zeigt sich  als ein frei wirkender Zentralbau ohne Emporen. Decken und Fenstergemälde von Otto Gußmann, plastische Altergruppe von Hudler, ornamentale Formen von Karl Groß. Ob diese Ausstattung die Kriegseinwirkungen schadlos überstanden haben ist mir leider nicht bekannt. Vor der Strehlener Christuskirche ein betender Christus von Friedrich Hecht. Die Kirche wurde in der Bombennacht des 13. Februar stark beschädigt. Die Kirchtürme sind durch den Brand bzw. die Bombardierung noch heute ganz schwarz.1950 wurden dann die ersten notdürftigen Sanierungen vorgenommen, gleichzeitig erfolgte eine Neugestaltung des Innenraumes. Erst 1967 wurde  mit der fachgerechten Sanierung des Daches der Strehlener Christuskirche angefangen. Diese Arbeit nahm acht Jahre in Anspruch. Gleichzeitig wurde der Kirchenfußboden erneuert. Restaurationen des Stuckes sowie die Innenausmahlung wurden bis 1980 zur Wiedereinweihung abgeschlossen. Links sehen Sie das 1961 gültige Siegel der Strehlener Christuskirche zu Dresden.  In dieser Kirche, der Strehlener Christuskirche wurde ich 1961 von Pfarrer Siegesmund konfirmiert. 

In Dresden Strehlen ist bis zum heutigen Tage der alte slawische Dorfkern zu erkennen. Leider sind auch hier die Kriegseinwirkungen lange Zeit  zu sehen gewesen. Nach der Wende wurde ebenfalls mit den geschichtlichen Zeugen Strehlens nicht all zu zaghaft umgegangen. So wurde nach  einem Zeitungsartikel der Sächsische Zeitung vom 14. Januar 1997 berichtet, dass die letzten Teile des noch zum Teil vorhandenen  Vierseitenhofs "Altstrehlen 1" nach einem Brand das Ende droht. Lange hat es nicht gedauert und diese Mauerreste des Hofes fielen endgültig der Abrissbirne zum Opfer. Ob dieser Hof je wieder aufgebaut wird wage ich zu bezweifeln. Die Kosten werden den Mut zur Investition überdecken. Schade ein Stück Altstrehlen ist damit für immer verloren.  Der einige Meter weiter noch vorhandene Vierseitenhof Altstrehlen 3/5 ist zu einem neuen Vierseitenhof mit Tiefgarage, kleinen Geschäften im Erdgeschoss und Wohnungen in den oberen Etagen erstanden. So ist wurde wenigsten an dieser Stelle der optische Eindruck von Altstrehlen wieder  hergestellt. Noch gibt es entlang der Kaitzbach im alten Dorf Strehlen in Bezug Restaurierung viel zu tun, aber wie wir alle wissen gibt es überall andere wichtiger Probleme, welche solche Vorhaben immer wieder nach hinten drängen. Trotzdem darf man sagen, die Strehlener Bürger geben sich die größte Mühe ihre alten Zeitzeugen nach und nach in alter Pracht rauszuputzen. 

Im Alten Glanz neu erstanden ist die Strehlener Gaststätte und Hotel  Königshof  am Wasa-Platz. Der Strehlener Königshof  hat seine Wurzeln 1880 im Palitzschs Gasthof. 1888 war der Strehlener Gasthof "Königshof " fertig gestellt. Sie sehen links eine Darstellung des Königshoftheater aus dem in den zwanziger Jahren der zum Ballsaal entstand. So wie ich vom hören, sagen erfahren habe gehörte dieses Restaurant und Hotel mit seinem Ballsaal zu dem nobelsten in Strehlen und dieser Region und war ebenfalls in Dresden gut bekannt. Mit einem großen Ballsaal welcher heute wieder im alten Glanz erstrahlt, habe ich persönlich Anfang der 50ziger zu einer Faschingveranstaltung Bekanntschaft gemacht. Danach wurde der Ballsaal für längere Zeit geschlossen um im als "HO-Verkaufsetage" um zu funktionieren. Die Gaststätte Strehlener Hof im Erdgeschoss existierte noch einige Jahre, wurde aber  ebenfalls geschlossen. Zum Glück wurden die Stuckarbeiten nur mittels Holzspanplatten überdeckt, die Bühne wurde mit gleichen Platten geschlossen und diente für das damalige Personal der Verkaufsetage als Aufenthaltsraum. Jahre danach wurde der gesamte Gebäudekomplex wegen Baufälligkeit geschlossen und erst nach dem wirtschaftlichen Ruinen der DDR saniert und restauriert. Heute erstrahlt der Strehlener Königshof in alter Pracht. Schauen Sie doch einfach rein, oder besser besuchen Sie Ihn bei Ihren Aufenthalt in Dresden und hören Sie sich ein Konzert an. Ich wünsche ihnen viel Spaß.

 

Das Strehlener Keglerheim, ein Stück altes Strehlen, so weit wie ich mich erinnern kann war dieser Komplex geprägt von einer Gaststätte Namens Keglerheim mit Gästezimmer. Der Bereich hat schon im 17ten Jahrhundert existiert. Mir ist nur nicht bekannt in welchen Zeitraum die Gaststätte entstanden ist und welche  Bedeutung die anliegenden flachen Gebäude hatten. Ich nehme, auf Grund der dicken Außenmauern an, das dies ebenso alte Bauernhäuser gewesen sind wie die anliegenden zur Kaitzbach hin.. Zu DDR-Zeiten war in den 50ziger Jahren der Gaststättenbetrieb noch im Gange, auch die Kegelbahn existierte noch. Doch irgend wann war dies alles vorbei. Aus der Gaststätte wurde ein Schuhgeschäft. Die Kegelbahn wurde zu Lotto Holfeld und die anderen anliegenden Gebäude wurden so weit es möglich war industriell genutzt. In den letzten Jahren der DDR war dies alles wegen Baufälligkeit gesperrt, ist aber auf Grund fehlende Gelder nicht abgerissen worden. Doch mit der Neubebauung der Lockwitzerstraße sind ein Großteil der noch vorhandenen Baulichen Reste des Keglerheim abgerissen worden. Von der Gaststätte ist nicht mehr zu sehen. Es sind noch ein paar jämmerliche Reste der hier schon erwähnten Flach bauten vorhanden welche nicht gerade ein schönes noch interessantes Bild abgeben. Aus diesen noch vorhandenen Bild kann man sich über den Originalen Zustand des ehemaligen Komplex kein Bild mehr machen. Da es sehr wenig Material von dem ehemaligen Keglerheim gibt, ist es mir vorerst nicht möglich mehr darüber zu berichten. Einige Bilder sollen den vergangenen  Zustand dokumentieren.

Der Wasaplatz in Strehlen ist im Lageplan von Strehlen aus dem Jahre 1651 schon als Platz zu erkennen, er befand sich damals außerhalb der Dorfanlage. Durch den Bau der Residenzstraße, heute August-Bebel-Strasse, der Kreischaer Strasse, der Lockwitzer Straße und der Wasastraße wurde er zum bedeuternsten Verkehrsknotenpunkt des Stadtteil Strehlen. Übrigens die kleine Insel auf dem Platz ist heute noch teilweise existent. Der Straßenverkehr wurde lange Zeit von Hand  geregelt. Doch mit zunehmender Verkehrsdichte war dies nicht mehr möglich. Heute ist es der wichtigste, ein moderner durch Ampel geregelter Verkehrsknotenpunkt von Strehlen.

Literaturnachweis: Sächsischer Bote Dresden, Sächsische Zeitung, Dresden und das Elbgelände (1910), Dresden, das Buch der Stadt (1924). Dresden Archiv  Dresdner Stadtjournal "Südhang"