Dresdens einmalige Bauten 

- Yenidze, die Zigarettenfabrik  -

 Geschichtssplitter bearbeitet von: Hans-Jürgen Haupt 2003                                                                                                                                               

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Salem Aleikum!

Diese Geflügelte Wort zu deutsch: "Friede sei mit dir", erfreut sich bei alten Rauchern eines guten Klanges, denn es bezeichnet die bevorzugte .Marke der weit bekannten Orientalischen Tabak und Zigarettenfabrik »Yenidze «, Inhaber Hugo Zietz, in Dresden. Ursprünglich ein Kind des Orients, hat sich die Zigarette mehr und mehr Heimatrecht in Deutschland erwerben, wo ihre Herstellung mit größter Gewissenhaftigkeit aus den edelsten Tabaksorten des Orients und unter ergiebigster Nutzanwendung fachmännischer Erfahrungen vor sich geht. Die Internationale Hygiene Ausstellung in Dresden hat den Besucher neben vielem anderen die Bedeutung der deutschen Zigarette auf dem Weltmarkt würdigend gelehrt. Gerade die Hygiene, diese Jüngste der modernen Wissenschaften, weist den Zigarettenraucher darauf hin, das deutsche Erzeugnis zu bevorzugen, von dem er sicher ist, dass in ihm alle Forderungen der angewandten Hygiene sich verwirklicht finden. Diese Tatsache trifft vor allem bei der Orientalischen Tabak und Zigarettenfabrik »Yenidze« in vollem Umfange zu. Wer die Hauptstadt des Sachsenlandes an der Elbe, von Norden kommend, besucht, wird gleich nach Passieren des stolzen Stromes von einem Bauwerk gefesselt, welches ihn im Geiste an die Gestade des Bosporus versetzt. Gleich einer weißschimmernden Silhouette erhebt sich hier, in streng orientalischem Stil gehalten, die »Yenidze« Fabrik, von wo deren bevorzugte Marke Salem Aleikum die Weit umspannt. Gekrönt von einer mächtigen Kuppel, die nach Einbruch der Dunkelheit in Smaragd und rubinfarbener Verglasung weithin in magischem Lichte erstrahlt, flankiert von schlanken minarettförmigen Türmchen und hochragenden Spitzen, geschmückt durch eine reich ornamentierte Fassade, mit buntfarbenen Mosaikeinlagen und Fensterbögen im maurischen Stil, wirkt das ganze einzigartige Bild bezaubernd auf den Beschauer wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. So originell wie das Äußere, so praktisch und großzügig ist das Innere dieses stolzen Bauwerks gehalten, über einem taghell erleuchteten Souterrain erheben sich fünf vollständig ausgebaute Stockwerke und darüber die gleichfalls ausgebauten Dachräume, alles von unbegrenzter Lichtfülle durchflutet, mit hohen, breiten Fensteröffnungen versehen. Der die Kuppel tragende Mittelbau weist insgesamt zehn Stockwerke auf, auf welche die Gesamtfabrikation mit ihren verschiedenen Unterabteilungen (Säle für Zigaretten, Kartonagenfabrikation, Pack- Etikettier und Banderouliersaal, Versandräume usw.) verteilt ist. Vornehme Einfachheit, verbunden mit dekorativer Schönheit, zeigen die Bureau-, Empfangs- und Beratungsräume. Hier, wie vor allem in den Fabrikations- und Aufenthaltsräumen für das Personal (meist weibliche Arbeitskräfte) hat die moderne Fabrik-Hygiene ausgedehnte Berücksichtigung gefunden. Die Fußböden weisen durchweg Linoleumbelag auf, der schnelles und gründliches Reinigen gleich nach Arbeitsschluss ermöglicht. Eine großartige von einem abseits des Hauptgebäudes liegenden Kesselhaus gespeiste elektrische Kraft- und  Lichtanlage treibt sämtliche Arbeitsmaschinen, liefert das Licht für die künstliche Beleuchtung und beheizt mit Dampf sämtliche Arbeitsstätten. Nur die Lagerräume, wo die edlen orientalischen Tabake liegen, bleiben stets kühl, wie überhaupt die verschiedenen Tabaksorten eine streng subtile Behandlung erfahren, die die Voraussetzung für die Herstellung von Zigaretten bildet. Für das Personal sind in jedem Arbeitsgeschoss Garderobe, Waschräumen, sowie im fünften Stockwerk große modern eingerichtete Baderäume enthalten, deren Wände mit weißen Kacheln und deren Fußböden mit Steinfliesen belegt sind. Die Arbeitsräume können erst nach Passieren der Garderobe, und Waschräume betreten werden. Besondere Lufterneuerungs- und Entstaubungsanlagen tragen viel zum Wohlbefinden des Personals bei. In einem großen, im Kuppelbau liegenden Speisesaal pflegt das Personal das Frühstück und das Mittagsmahl einzunehmen, elektrisch betriebene Fahrstühle führen dahin. Es gibt warme und auch kalte Speisen, dieselben werden, da der Kantinenbetrieb dem Unternehmer pachtfrei überlassen ist, mit einem mäßigen Aufschlag auf die Herstellungskosten verabreicht. Von der nahen Plattform des Daches genießt man einen Rundblick über das mächtig aufblühende schöne Dresden mit seinem lieblichen Elbtal. Zu Füßen des Beschauers aber breitet sich die Fabrik, deren weltbekannte Marke „Salem Aleikum“ zu einem Genussmittel für Millionen Raucher geworden ist: die Fabrik, deren technische und hygienische Einrichtungen sowohl dem Raucher gewährleisten, ein in qualitativer und technischer Beziehung ideales Fabrikat zu erhalten, als auch das körperliche und geistige Wohlbefinden des großen Beamten- und Arbeiterpersonals zu heben geeignet sind

Orientalische Tabak- und Zigarettenfabrik •   »Yenidze«  Dresden «                                                                                                           

Heute erstrahlt das Gebäude im alten Glanz und wird zum Teil als Fabrik und Tabakkontor genutzt.

Literaturhinweis: Diese beeindruckende und ausführliche Darstellung aus dem Jahre 1924 habe ich  in „ Dresden, Das Buch der Stadt“ gefunden. Ich glaube besser und ausführlicher kann man es wohl nicht darstellen. Mit der  Bewertung der Tabakwaren als Genussmittel, sind wir heute wohl einen gewaltigen Schritt weiter.